Rassebeschreibung

Der Bouvier des Flandres

Wenn auch Sie stolzer Besitzer eines Bouviers werden möchten, dann lesen Sie bitte die Kurzfassung dieses Rasseportraits und informieren Sie sich über den Standard.
Ob Ihr Bouvier dann mit Ihnen spazieren geht oder Sie mit ihm, liegt in Ihrer Hand.

Sein Ursprung – Seine Fähigkeiten
Der Bouvier des Flandres ist ein imposanter Gebrauchs- und Familienhund. Der sanftmütige Riese, den die Natur mit einem mächtigen, eckigen Körper, buschigen Augenbrauen, einem kräftigen Schnauzbart und harschem, leicht zerzausten Haar ausgestattet hat, kann auf den, der ihn nicht kennt, fast bedrohlich wirken.

In Wirklichkeit ist der Bouvier des Flandres jedoch ein freundlicher, ausgeglichener und ausgesprochen ruhiger Hund, der mit seinem Herrn eng verbunden und ihm unverbrüchlich treu ergeben ist. Von all diesen Eigenschaften ist man sogleich überzeugt, wenn man in seine dunklen, intelligenten und sehr wachsamen Augen schaut.

Er stammt sowohl aus dem belgischen wie aus dem französischen Teil Flanderns und gehört zur Rasse der Senn- und Treibhunde.
Das Wort “Bouvier” kommt vom französischen “Boeuf”, zu deutsch „Ochse“ und verweist damit auf seine ursprüngliche Verwendung. Er kam als Treibhund für Pferde und Rinder zum Einsatz. Allein mit Hilfe seiner Körperkraft, hier kam auch die besondere Technik des Bouviers bestens zum Einsatz. : War das Tier störrisch, wurde es mit voller Wucht angesprungen und in die gewünschte Richtung getrieben. Durch Schieben und Schubsen brachte er widerspenstige Rinder zum Weitergehen oder holte ausgebrochene Tiere zur Herde zurück. Er behütete die Herde und vertrieb Eindringlinge.

Die arme Bevölkerung konnte sich selten ein Pferd leisten und so kam der Bouvier auch wegen seiner enormen Kraft als Zugtier zum Einsatz.

Wegen seines überdurchschnittlichen Witterungsvermögens, seines guten Charakters und seiner Körperkraft war sein Arbeitseinsatz vielfältig und darum war es besonders wichtig, dass er selbständig arbeitete, kräftig, robust und gesund war. Das waren die Kriterien, nach denen die Zuchtauslese betrieben wurde, wobei die Gebrauchstüchtigkeit an 1. Stelle stand. Jedoch auch die Gebrauchstüchtigkeit war von einigen äußeren Merkmalen abhängig. So entstand im französischen und belgischen Flandern der große, kompakte, kräftige Bouvier mit rauem Haar und guter Unterwolle (der Bouvier war allen Witterungsverhältnissen ausgesetzt). Zur Vermeidung von Ungezieferbefall wurden Ohren und Rute kupiert.
Seine Eignung als mutiger Wächter von Haus und Hof war unbestritten, glich sein Erscheinungsbild doch eher einem Bären denn einem Hund. Sein dichtes, raues Fell machte ihn nicht nur witterungsunempfindlich, sondern auch extrem “bissfest” und war somit ein guter Schutz gegen aufdringliche und ungeladene Gäste.

Auch heute ist der Bouvier ein bewährter Wachhund, dem man ein Wohnhaus ebenso unbesorgt anvertrauen kann wie einen großen Bauernhof. Welcher Herumtreiber wird sich schon mit einem solchen Ungetüm von Hund anlegen wollen?

Der Bouvier des Flandres ist ein sehr ruhiger und selbstbewusster Hund – artgerechte Haltung und liebevolle, konsequente Erziehung immer vorausgesetzt. “Rauflust” mit Artgenossen ist ihm fremd. Er ist seinem Halter treu ergeben und eignet sich sehr gut als Familienhund. Er ist ideal in der Familie und Wohnung zu halten und seine ausgesprochene Kinderliebe bezeichnend für die allermeisten Vertreter seiner Rasse. Fürsorglich bewacht er die Allerkleinsten “seiner Familie” und kennt im Spiel mit den größeren Kindern keine Müdigkeit. Seine hohe Reizschwelle, sein umsichtiges Handeln, Kinderfreundlichkeit und Familiensinn sowie Wachsamkeit, favorisieren den Bouvier zum idealen Familienhund. Gegenüber Fremden verhält er sich eher etwas zurückhaltend; er kläfft nicht sondern bellt, wenn es ihm angebracht erscheint.

Sein Temperament, die Energie und die natürliche Intelligenz verlangen allerdings auch Aufgaben und Bestätigung. Bouviers haben sich als Arbeits-, Vielseitigkeits-, Blinden- und Rettungshunde bewährt. Wie fast alle Großhunderassen ist auch der Bouvier ein Spätentwickler, dem man Zeit zum Erwachsenwerden geben muss. Er dankt dies durch seine Lernbereitschaft und schnelle Auffassungsgabe, sowie durch eine relativ hohe Lebenserwartung. Auf Zwang reagiert er eher mit Sturheit.

Der Bouvier hat eine robuste Konstitution und ist selten krank, die Rute und die Ohren werden nicht mehr kupiert. Rassetypisch ist die besondere Sprungtechnik – oft mit 4 Beinen gleichzeitig oder aus dem Anlauf abbremsend, um aus dem Stand mehr Wucht zu haben – sowie die leicht verkümmerten Fangreflexe – er wird selten Leckerchen aus der Luft schnappen.
Abhängig von Linie und Zucht findet man heute zum Sport- und Diensthund geeignete Hunde, die eine nicht unbedingt schwierige, aber konsequente Erziehung benötigen, aber auch Hunde aus vornehmlich Familien- und Ausstellungszuchten.

Es wäre falsch zu meinen, er erziehe sich von selbst. Er erzieht dann allenfalls seine Menschen.
Seine Größe lässt auf einen ausgeprägten Bewegungsdrang schließen und so ist er, obwohl ein imposanter und mächtiger Hund, erstaunlich leichtfüßig, wendig und sportlich. Er ist ein begeisterter Schwimmer, hält sehr gut Schritt neben dem Fahrrad und liebt ausgiebige Spaziergänge, wobei er sich in aller Regel nicht zur Jagd animieren lässt (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Der Bouvier hat einen einmaligen Charakter, der sich schwer beschreiben lässt. Es ist irgendwie schwierig bei einem Hund von Humor zu sprechen, jedoch scheint dies eine Eigenart dieser Rasse zu sein. Witz, gepaart mit Charme, Gelassenheit und Energie lassen das Zusammenleben mit ihm nie langweilig werden.

Dem Bouvier muss, wie jedem anderen Hund, eine reine Zwingerhaltung erspart bleiben!


Schulterhöhe:
Rüden 62 bis 68 cm (ideal 65 cm)
Hündinnen 59 bis 65 cm (ideal 62 cm)

Gewicht:
Rüden ca. 35 bis 45 kg
Hündinnen ca. 27 bis 35 kg

Haare:
Das Fell ist dunkel bis grau, meist mit Schwarz gestromt. Bei einer bis auf 6 cm getrimmten Länge ist das Fell leicht gewellt. Es muss sich rauh anfühlen.